Wie begann deine künstlerische Reise?
Meine künstlerische Reise begann mit einer einfachen Wahrheit – ich habe eigentlich schon immer gezeichnet oder gemalt. Anfangs geschah das ganz instinktiv, später begann ich, mich bewusster und ernsthafter damit auseinanderzusetzen. Es gab eine Zeit, in der ich mich festgefahren fühlte – sowohl im Leben als auch kreativ – und die Kunst wurde zu dem Weg, mich aus diesem Zustand zu befreien. Durch sie konnte ich Gefühle ausdrücken, die ich nicht – oder nicht wollte – in Worte fassen. Mit der Zeit erkannte ich, dass ich nicht nur des Ausdrucks wegen schuf, sondern auch für den Prozess selbst: den stillen, erdenden Akt, etwas entstehen zu lassen.
Wo findest du deine Inspiration?
Meine wichtigste Inspirationsquelle ist die Natur – sie ist für mich ein unerschöpflicher Fundus an Formen, Texturen und Emotionen. Die Farben, die draußen entstehen, oft flüchtig oder in unerwarteten Kombinationen, können die Stimmung eines Werkes vollkommen verändern. Ebenso faszinieren mich die Ordnung geometrischer Formen und die Unvorhersehbarkeit von Spiegelungen – wie Licht mit Oberflächen interagiert, wie sich Formen verzerren oder wiederholen.
Doch Inspiration ist für mich nicht nur visuell. Sie wurzelt auch im Alltag: in meinen eigenen wechselnden Gefühlen, in Gedanken, die sich nicht immer in Worte fassen lassen, und in Momenten, die ich bewusst durch meine Arbeit ausdrücke. Auch das Zuhören spielt eine große Rolle – die Erfahrungen, Perspektiven und Emotionen anderer Menschen geben oft neue Impulse oder lassen mich meine eigenen Gedanken aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Für mich entsteht Inspiration an der Schnittstelle zwischen der äußeren Welt und der inneren – ein ständiger Austausch aus Beobachtung, Empathie und Schaffen.
Bevorzugte Techniken und Materialien?
Mein bevorzugtes Medium ist Acryl auf Leinwand – es ist vielseitig, trocknet schnell und erlaubt mir, in Schichten zu arbeiten. Gerne experimentiere ich zusätzlich mit anderen Materialien, um Tiefe und Spannung zu erzeugen, etwa mit Sand, Blattgold, Specksteinmehl oder sogar Fragmenten von Eierschalen. Diese ungewöhnlichen Elemente verleihen meinen Arbeiten eine haptische Qualität, die den Betrachter näher heranzieht.
Meist beginne ich damit, eine strukturierte Oberfläche auf der Leinwand zu schaffen – einen Hintergrund, der oft eine gießende, fließende Anmutung hat. Diese organische Basis bildet das Fundament für die nächste Phase, in der ich Strukturen und Formen herausarbeite. Der Kontrast zwischen dem freien, fließenden Hintergrund und der bewussten, gezielten Formgebung ist zentral für das Entstehen meiner Bilder.
Arbeitest du intuitiv oder nach einem festen Prozess?
Für mich ist es beides. Der Hintergrund entsteht aus dem Bauch heraus – das ist der intuitivste Teil meiner Arbeit, in dem ich Farben frei fließen und miteinander reagieren lasse. Natürlich ist dieser Prozess bis zu einem gewissen Grad steuerbar, aber ich glaube auch daran, dass jedes Bild seinen eigenen Weg zeigt, dem ich versuche zu folgen. Der zweite Teil, in dem ich Struktur und Form ausarbeite, ist deutlich prozessorientierter: bewusst, schichtweise und überlegt. Es ist das Zusammenspiel aus anfänglicher Spontaneität und gezielter Gestaltung, das dem fertigen Werk – und seiner Botschaft – Leben verleiht.
Welche Botschaft möchtest du mit deiner Kunst vermitteln?
Lass es fließen – ohne Entschuldigung, ohne Zögern. Wage es zu fühlen, auch wenn es roh oder unbequem ist, denn genau diese Momente legen frei, was unecht ist. Vertraue deinem Bauchgefühl und höre aufmerksam zu – nicht nur dem Schönen, sondern auch dem Hässlichen, denn beides trägt Wahrheit in sich. Meine Kunst soll daran erinnern, dass Selbsterkenntnis niemals abgeschlossen ist; sie ist ein fortlaufender Prozess des Freilegens. Höre niemals auf, herauszufinden, wer du wirklich bist, und setze dir keine Grenzen dafür, was das bedeuten kann – weder in der Kunst noch im Leben.
Was sind deine Zukunftsträume als Künstlerin?
Mein Traum für die Zukunft ist gleichzeitig einfach und groß: weiter zu erschaffen, denn Kunst ist essenziell für mein Leben. Ich möchte niemals die Freude und den Trost verlieren, die darin liegen, mit meinen eigenen Händen etwas zu schaffen. Ich hoffe, noch mehr Menschen zu erreichen und dieses besondere Glück immer wieder zu erleben, wenn jemand sich wirklich mit einem meiner Werke verbindet – wenn er oder sie einen Teil von sich selbst darin erkennt. Und uuuund … ich hoffe wirklich, wirklich sehr, eines Tages ein eigenes Atelier zu haben 😉 – einen Ort, an dem meine Ideen, Materialien und ein kleines bisschen Chaos friedlich zusammenleben dürfen.